Figuration und Abstraktion sind bei Fin DAC, SKIO, Alexis „Bust“ Stephens und Sébastien Preschoux keine Gegensätze, sondern Stationen eines gemeinsamen Weges. Auf der Affordable Art Fair Hamburg zeigen wir, wie eng Linie, Blick und Handarbeit ihre Positionen verbinden.Jedes Bild von Alexis „Bust“ Stephens beginnt abstrakt. Die Pinselstriche folgen Wellen und Frequenzen und wirken zunächst fast chaotisch. Erst im Lauf der Arbeit treten daraus tanzende Körper hervor. Figuration und Abstraktion sind hier keine Gegensätze, sondern zwei Zustände desselben Bildes.Diesem Gedanken folgt unsere Auswahl für die Affordable Art Fair Hamburg. Wir zeigen Arbeiten von Fin DAC, SKIO, Alexis „Bust“ Stephens und Sébastien Preschoux: drei figurative Positionen und eine grafisch-abstrakte. Sie stehen an verschiedenen Punkten zwischen den beiden Polen und sind enger verbunden, als es auf den ersten Blick scheint.Linie und WelleStephens versteht den Körper als Resultat organisierter Wellen: „Wir bestehen nicht aus viel, und doch pulsiert alles in uns.“ Sébastien Preschoux arbeitet mit genau diesem Material, nur ohne Körper. Seine geometrischen Zeichnungen und Malereien bestehen aus oszillierenden Linien, die sich überlagern und Farbverläufe erzeugen. Bei Stephens wird aus der Bewegung eine Figur, Preschoux bleibt bei der Bewegung selbst.Blick und LeerstelleFin DAC und SKIO setzen beim Gesicht an, gehen mit dem Blick aber...
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Unfenced bringt zwei argentinische Künstlerinnen zusammen, deren Werke sich auf den ersten Blick in entgegengesetzte Richtungen zu bewegen scheinen. Milu Correch malt die Straßenecken ihres eigenen Viertels in Buenos Aires — einen verrosteten Combi, geparkte Motorräder, einen Jungen, einen verrosteten Combi, geparkte Motorräder, einen Jungen, der im Hinterhof in einem Pool voller Pudel auf einer Luftmatratze treibt. Irene Lasivita malt Figuren, die sich keinem festen Ort zuordnen lassen: eine sphinxartige Gestalt mit pinkfarbenem Haar, halb Mensch, halb Tier, eingebettet in dichtes, traumhaftes Blattwerk. Die eine Künstlerin arbeitet aus der Beobachtung, die andere aus der Erfindung. Im Dialog miteinander gesehen, zeigt sich: Beide tun im Grunde dasselbe — nur von entgegengesetzten Enden her. Milu Correch: Das Magische im Alltag Correchs Buenos Aires ist nie rein dokumentarisch. Ihre Szenen sind aufgeladen mit etwas, das über das rein Abgebildete hinausgeht — ein Vibrieren unter dem Alltäglichen, eine Energie, die sich vollständiger Erklärung entzieht. Sie hat keine formale Kunstausbildung durchlaufen, und das zeigt sich in der Direktheit ihres Blicks: Farbe und Geste übernehmen die Erzählung, während das Bild selbst so viel zurückhält, wie es preisgibt. Correch spricht von einer visuellen Poesie, die sich Transparenz verweigert — die Betrachtenden müssen die Geschichte selbst vervollständigen. Nicht...
Ein Kreis, mit dem Zirkel gezogen, gilt als Inbegriff der Ordnung. Eine Linie, aus dem Handgelenk geschwungen, gilt als Ausdruck reiner Bewegung. Doch was geschieht, wenn sich beides nicht mehr sauber trennen lässt? Wenn aus strenger Konstruktion ein Fließen entsteht und aus freier Geste eine feste Form?In „Structure & Flow“ zeigen wir zwei französische Künstler, deren Werke genau diese Frage stellen: Sébastien Preschoux und Théo Lopez. Beide arbeiten abstrakt, beide denken in Linien, Rhythmus und Farbe. Struktur und Fluss prägen die Werke beider Künstler. Sie nähern sich diesem Spannungsfeld jedoch von entgegengesetzten Seiten.Sébastien Preschoux: von der Struktur zum FlussPreschoux beginnt bei der Konstruktion. Lineal und Zirkel geben den Rhythmus vor, jede Linie folgt einem festen System. Seine Kompositionen wirken so exakt, als wären sie am Computer entstanden. Tatsächlich entsteht jedes Werk von Hand.Gerade aus dieser Strenge entsteht Bewegung. Linien überlagern sich und beginnen zu oszillieren, ganz in der Tradition der Optischen Kunst. Farben gehen fast unmerklich ineinander über, weil Preschoux jeder Farbe einen kleinen Anteil der folgenden beimischt. Den Holzgrund bereitet er selbst vor: Er schleift ihn mehrfach und trägt Schicht um Schicht chinesische Tusche auf, darauf zieht er die Linien mit Acrylstiften. Auf diesem tiefen Schwarz scheinen die Formen...
Originale & Editionen – Verfügbare Werke unserer Künstler, direkt aus der Galerie
AUSGEWÄHLTE KÜNSTLER
Der französische Künstler Sébastien Preschoux ist für seine geometrischen Zeichnungen bekannt. Seine oszillierenden Linien und Formen wirken, als wären sie mit dem Computer generiert. Das entscheidende Merkmal seiner Kunst ist jedoch die Handarbeit: Preschoux besteht darauf, jede Arbeit selbst und ohne Maschine herzustellen.Handarbeit als HaltungPreschoux ist Autodidakt und lebt und arbeitet in Paris. Er ist von der Optischen Kunst und von den Werten des Bauhauses inspiriert, das die grundlegende Bedeutung manueller Arbeit betont. Wer ihm bei der Arbeit zusieht, erlebt eine Spannung zwischen der Gelassenheit, mit der er seine Linien ohne Eile auf die Fläche bringt, und der Präzision jeder einzelnen Geste. Lineal und Zirkel geben den Rhythmus vor.Konzentration als Methode„Eine falsche Linie, und alles beginnt von vorne.“ So beschreibt Preschoux seine Arbeitsweise. Sie verlangt große Ruhe, Konzentration und Fokus. Aus dieser Haltung entstehen Kompositionen, die leicht im Raum zu schweben scheinen. Wer ihm zusieht, denkt unweigerlich an den japanischen Zengarten, den Karesansui. Auch dort entsteht die Wirkung aus Reduktion, Rhythmus und Geduld. Diese Assoziation ist eine Deutung, die wir dem Betrachter überlassen.Von Holz, Tusche und GeduldFür seine Malereien bereitet Preschoux den Holzgrund selbst vor. Er schleift ihn mehrfach und trägt mehrere Schichten chinesischer Tusche auf, bevor er die Umrisse...
Der 1967 in Irland geborene Künstler Fin DAC hat sich mit einer Bildsprache, die die Konventionen der Street Art bewusst hinter sich lässt, in der Urban Art einen eigenen Platz erarbeitet. Seine Werke verbinden Elemente der zeitgenössischen Kunst mit der Ästhetik der Straße. Er selbst nennt diesen Ansatz „Urban Aesthetics“.Heute in London ansässig, ist Fin DAC Autodidakt. Ohne Zugang zu Galerien oder Museen fand er lange keinen Weg in die Kunst und arbeitete zunächst als technischer Zeichner, Grafikdesigner und Webentwickler. Erst mit rund vierzig Jahren griff er zum Pinsel. Das Malen weiblicher Porträts wurde für ihn zu einer meditativen Praxis, mit der sich das ständige innere Geplapper zum Schweigen bringen lässt. Seine Einflüsse reichen von japanischen Holzschnitten, Manga und Graphic Novels bis zu Aubrey Beardsley, dessen Druck ihn schon als Kind prägte.Frauen zwischen den WeltenSeine Figuren bewegen sich zwischen Tradition und Gegenwart: Traditionelle Kleidung und Symbolik treffen auf moderne Sensibilität. Stolz und Würde ziehen sich durch die Porträts, ergänzt durch einen spielerischen Zug, der Klischees hinterfragt. Charakteristisch ist die bemalte Maske, die viele seiner Frauenfiguren trägt. Ihre Gestalt ist von Pris aus Blade Runner und der androgynen Bühnenpersona von Annie Lennox inspiriert. Die beiden Tropfen, die von ihr herabfallen, bleiben bewusst rätselhaft....
Gesichter ohne Blick, Körper im Raster kühler Geometrie: SKIO malt die Anonymität der modernen Stadt mit chirurgischer Präzision. In seinen Kompositionen verschmelzen fragmentierte Figuren mit stilisierter, oft streng gebauter Architektur – ein feinsinniger Dialog zwischen emotional aufgeladener Figuration und kühler Abstraktion. Wo die Augen als Spiegel der Seele stehen sollten, lässt er bewusst eine Leerstelle: Sie lädt zur Projektion ein und macht die Anonymität des modernen Stadtmenschen unmittelbar spürbar.Seine Bilder reflektieren eine Gegenwart, in der sich das Selbst zunehmend im System auflöst: die Gleichförmigkeit, die unsere Gesellschaft dem Individuum auferlegt, ebenso wie Schönheitsideale, denen sich vor allem Frauen kaum entziehen können. Manche seiner Figuren scheinen VR-Brillen zu tragen – ein Verweis auf eine Welt, in der Realität und virtuelle Realität längst ineinanderfließen. Bemerkenswert dabei: Obwohl jedes Bild vollständig von Hand gemalt ist, erinnert die Ästhetik oft an KI-generierte Bildwelten – eine Doppeldeutigkeit, mit der SKIO bewusst spielt.Stilistisch verbindet SKIO den Geist des Bauhauses mit dem Surrealismus: Er sucht die Balance zwischen Komplexität und Minimalismus, zwischen Sanftheit und Struktur, und lässt seine Porträts dabei fast skulptural wirken. Seine Ausstellung „Mensch & Form" bei Pretty Portal war bislang die konsequenteste Verdichtung dieser Bildsprache – eine stille, poetische Auseinandersetzung mit modernem Menschsein zwischen...
PRETTY WALLS
Alexis „Bust" Stephens, 1983 in Paris geboren, kommt aus dem Tanz – HipHop und Breakdance, europaweit auf Battles und Jams. Parallel dazu fand er über Graffiti seinen Weg in die Malerei und knüpfte früh Kontakt zur großen Pariser Streetart- und Graffiti-Szene. Aus dieser Bewegungspraxis heraus hat er seine Malerei entwickelt – nicht als Illustration von Tanz, sondern als dessen bildnerische Übersetzung. Sein Beiname „Bust" verweist auf den Slang-Ausdruck „to bust a move" – die Essenz seiner Verbindung von Bewegung und Malerei in einem Wort. Stephens' künstlerische Idee kreist um den Körper als Resultat organisierter Wellen – „Wir bestehen nicht aus viel, und doch pulsiert alles in uns." Beeinflusst vom abstrakten Expressionismus und der „grande geste", übersetzt er Bewegung und Energie aus dem Instinkt heraus in Linie und Duktus. Die Gesten wirken zunächst abstrakt, fast irritierend – erst in der Verdichtung kristallisieren sich seine tanzenden Protagonisten heraus. „Homo Motus" – der Mensch in Bewegung – zeigt genau diesen Moment der Verdichtung: eine Figur zwischen Sprung und Landung, zwischen Kontrolle und Auflösung. Die skizzenhaften, teils unvollendet wirkenden Linien um Arme und Beine sind kein Zufall, sondern Programm – sie halten die Bewegung im Bild fest, statt sie zu einem stillen Abbild erstarren...
EPODs Arbeit ist eine Verschmelzung aus Graffiti, Konzeptkunst und Fine Art – drei Einflüsse, die in seinen Werken so eigenständig zusammenfinden, dass sein Stil auf den ersten Blick erkennbar ist. Geboren 1977 und aufgewachsen in einer Hochhaussiedlung am Stadtrand von London, begann er seinen künstlerischen Weg als Graffiti-Writer unter dem Namen „DOPE". Daraus entwickelte sich das Alias .EPOD – ein Wandel hin zu einer nuancierteren, stilisierteren Bildsprache, technisch geschult durch seine Ausbildung im technischen Zeichnen und in der Modedesign, was sich bis heute in präzisen, strukturellen Linien zeigt, die auf lockere Spraytexturen treffen. Künstlerisch verbindet .EPOD unsere Vorstellung von Zukunft mit Vintage, Mode mit Technologie, Realität mit Verfremdung. Seine Bildsprache speist sich aus der visuellen Kultur seiner Jugend – HipHop, Retro-Sci-Fi-Filme und die glatten Hochglanzseiten der Vogue der 1970er-Jahre – und trifft auf die dramatische Lichtführung der alten Meister: Caravaggios Chiaroscuro, Rembrandts psychologische Tiefe. Aus dieser Verbindung entstehen ätherische Figuren, industrielle Texturen und eine kinoreife Farbpalette, die alte Meisterschaft mit futuristischem Design verschmilzt.Das Wandbild in Düsseldorf zeigt genau diese Handschrift: eine Figur im Profil, deren Haut in kühlem Blauviolett vor glühendem Orange und Gelb changiert – klassische Porträtmalerei, gebrochen durch die scharfen, dreieckigen Formen über dem Kopf, die wie ein...