Various & Gould
Deutschland
Ein Gesicht, das niemandem gehört und doch vielen: Für ihre Serie „Face Time“ zerlegen Various & Gould Porträts ganz unterschiedlicher Menschen in einzelne Teile und setzen sie zu neuen, kollektiven Köpfen zusammen. Diese Patchwork-Gesichter feiern Vielfalt, brechen mit gewohnten Schönheitsidealen und fragen, wie wandelbar Identität ist.1 + 1 = 3Das Berliner Künstlerduo arbeitet seit 2005 zusammen. 2010 schlossen beide ihr Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (KHB) bei Prof. Alex Jordan ab, einem Mitglied des französischen Grafikerkollektivs Grapus. Various & Gould sind Grenzgänger auf verschiedenen Gebieten und stehen für die schlichte, aber wirkungsvolle Formel 1 + 1 = 3. Gemeinsame Interessen wie die Liebe zum Papier, die Begeisterung für die zufällige Schönheit im Alltag und vor allem die Arbeit im öffentlichen Raum bilden die Grundlage ihrer Kollaboration.Siebdruck und CollageSiebdruck und Collage sind ihre Leidenschaft. Auf meist spielerische Weise greifen sie gesellschaftlich relevante Themen auf, etwa Arbeit, Migration, Gender, Tod, Globalisierung, Religion oder die Finanzkrise. Ihre Werke sind von (politischer) Plakatgrafik, Dada und Pop-Art beeinflusst. Sie zeichnen sich durch eine starke Farbigkeit und eine vieldeutige Verknüpfung von Symbolen, Assoziationen und Stilen aus. Für jede Serie entwickeln die beiden eine eigene Form: von Wandbildern, die Punkt für Punkt in Rasteroptik gemalt sind, bis zu zersplitterten Smartphones, die als Tiefdruckplatten dienen.Wandbilder im Stadtraum2015 entstand in Berlin das großformatige Wandbild „Face Time“, rund 80 Meter vom ehemaligen Mauerverlauf entfernt. Als eine Agentur die Fläche später für Werbung nutzen wollte, kämpften die beiden um ihr Werk, und das Wandbild blieb erhalten. 2023 führten sie die Serie mit einer ONE WALL für das URBAN NATION Museum in Berlin-Staaken fort. In einem Workshop collagierten Kinder und Jugendliche aus dem Viertel Gesichter aus Farbpapier. Ihre Porträts wurden die Grundlage für ein gemeinsames Gesicht der Nachbarschaft.Papierabgüsse von DenkmälernSeit 2014 fertigen Various & Gould großformatige Papierabgüsse öffentlicher Denkmäler. Für „City Skins – Marx und Engels“ formten sie 2017 das Marx-Engels-Denkmal in Berlin-Mitte in siebbedrucktem Pappmaché ab. Den Abguss stellten sie anschließend in Hellersdorf am Stadtrand auf, als Anstoß für eine Debatte über Symbole im öffentlichen Raum und das Verhältnis von Zentrum und Peripherie. 2021 folgte „Monumental Shadows“ in Zusammenarbeit mit Colonial Neighbours (SAVVY Contemporary). Drei Wochen lang überzogen sie das Bismarck-Nationaldenkmal im Tiergarten mit Papierschichten, am Ende holten sie die Papierform symbolisch vom Sockel. Das Projekt stellt die Frage nach der kolonialen Geschichte Deutschlands und nach Bismarcks Rolle darin.Permanently ImprovisedZum 15-jährigen Bestehen des Duos erschien im Oktober 2019 die erste Monografie „Permanently Improvised. 15 Years of Urban Print Collage“ bei seltmann+söhne. Der zweisprachige Band versammelt die ganze Breite ihres Werks und enthält Essays unter anderem von Steven P. Harrington, Ilaria Hoppe, Anne Wizorek und Alison Young.Bei Pretty PortalWir haben Various & Gould erstmals 2015 in der Gruppenausstellung „FACE OFF“ gezeigt, gemeinsam mit Julian Kimmings, Rowan Newton und Shai Dahan. 2020 folgte die Einzelausstellung „InterFace“. Sie ist nach dem gleichnamigen Siebdruck benannt, der auch das Cover von „Permanently Improvised“ ziert. Bei der Vernissage haben die beiden das Buch in der Galerie vorgestellt.