Kuckucksuhr, Bollenhut und Bambi: Kaum etwas steht so sehr für den Schwarzwald und für das, was viele unter Heimat verstehen. Stefan Strumbel nimmt diese Symbole beim Wort, überdreht sie und stellt eine einfache, aber unbequeme Frage: What the fuck is Heimat?
Heimat, neu verhandelt
Stefan Strumbel gehört zu den jungen Shootingstars des internationalen Kunstmarktes. Der Künstler aus Offenburg im Schwarzwald spielt mit Klischees und Stereotypen, die er übersteigert und ins Absurde führt. „Who killed Bambi?“ oder „What the fuck is Heimat?“ sind bezeichnende Titel seiner Arbeiten. Er bricht mit traditionellen Symbolen, stellt ihnen Provokantes gegenüber und befreit sie so vom Staub der Heimattümelei. Was dabei entsteht, ist weder Verklärung noch bloßer Spott, sondern eine Einladung, neu darüber nachzudenken, was Heimat heute eigentlich bedeutet.
Bollenhut und Schrotflinte
Strumbel kommt aus dem Graffiti und arbeitet mit der Schablonentechnik, wendet sie aber auf die Motive seiner Heimat an. Frauen und Mädchen mit dem typischen Schwarzwälder Bollenhut halten bei ihm eine Schrotflinte in der Hand oder werden beim Konsum von Kokain und Heroin gezeigt. Der Kontrast könnte kaum größer sein: Das Sinnbild ländlicher Unschuld trifft auf Gewalt und Rausch.
Kuckucksuhren mit Handgranaten
Auch die Kuckucksuhr, weltweit das Symbol für den Schwarzwald schlechthin, nimmt sich Strumbel vor. Er bemalt sie in grellen Pop-Art-Farben, versieht ihre Schnitzereien mit Knochen, Totenköpfen und Waffen, und statt der klassischen Tannenzapfen hängen Handgranaten als Gewichte an den Ketten. So wird aus dem Souvenir ein Kunstwerk, das zwischen Kitsch und Provokation, zwischen Liebe zur Heimat und Kritik an ihr changiert. Begeistert ist auch Karl Lagerfeld, der sich gerade im stern mit seiner Pop-Art-Kuckucksuhr von Stefan Strumbel selbst porträtiert hat.
Von München und Berlin nach Düsseldorf
Am 18. und 20. Oktober ist Stefan Strumbel gemeinsam mit Dare, Toast und Blek le Rat in München und Berlin zu sehen. Der 56-jährige Franzose Blek le Rat wird international als „Godfather of Stencil“ bezeichnet und gehört neben Banksy zu den bedeutendsten Vertretern der Stencil-Kunst. Am 24. Oktober eröffnet Stefan Strumbel dann seine Einzelausstellung bei Pretty Portal.
Über den Künstler
Stefan Strumbel wurde 1979 in Offenburg geboren, wo er bis heute lebt und arbeitet. In den 1990er-Jahren war er als Graffiti-Sprayer aktiv, und schon damals flossen traditionelle Motive in seine Arbeiten ein.
„What the fuck is Heimat“
Stefan Strumbel
Vernissage
Freitag, 24. Oktober 2008, 19 – 23 Uhr
DJ Orson (Version)
Ausstellung
24. Oktober – 21. November 2008
Montag – Freitag, 15 – 19 Uhr
Pretty Portal
Brunnenstraße 12
40223 Düsseldorf
Anmerkung (2026): Stefan Strumbel ist heute einer der bekanntesten deutschen Pop-Art-Künstler. Er verwandelte unter anderem die Fassade des Karlsruher Schlosses in eine überdimensionale Kuckucksuhr und gestaltete den Innenraum einer Kirche in Kehl-Goldscheuer. Die Kuckucksuhr „What the fuck is Heimat?“ aus dem Jahr 2008, mit der sich Karl Lagerfeld porträtieren ließ, wurde 2025 bei Sotheby’s im Rahmen der Versteigerung seines Nachlasses angeboten.