ODD MARKS
BLAQK | EGS | Jun Inoue | Patrick Hartl TOM71 | Vincent Abadie Hafez (ZEPHA)
Ausstellung
27. APR 2018 — 6. JUL 2018
Vernissage
27. APR, 19:00 — 22:00
Beschreibung
Die Schönheit der Schrift gegen die Provokation ihrer Platzierung, die Präzision des Werks gegen die Impulsivität der Ausführung, die Tradition der Schrift gegen die Modernität ihrer Interpretation: Aus solchen Gegensätzen lebt die Calligraffiti.
Kalligrafie, Typografie, Graffiti
Calligraffiti verbindet Kalligrafie, Typografie und Graffiti und wird mit dem Abstrakten Expressionismus ebenso in Verbindung gebracht wie mit dem Abstrakten Vandalismus. Geprägt wurde der Begriff 2007 vom niederländischen Künstler Niels „Shoe“ Meulman. In ODD MARKS zeigen wir mit BLAQK, EGS, Jun Inoue, Patrick Hartl und Zepha eine Auswahl der interessantesten und progressivsten Künstler dieser Richtung. Hinzu kommt mit TOM71 ein Calligraffiti-Künstler aus Düsseldorf.
Ein Erbe, viele Interpretationen
Die Künstler stammen aus Griechenland, Japan, Frankreich, Finnland und Deutschland. Durch ihre unterschiedlichen geografischen und kulturellen Hintergründe und das jeweils eigene kalligrafische Erbe zeigt die Ausstellung eine spannende Mischung von Neuinterpretationen einer klassischen Auseinandersetzung mit Schrift.
BLAQK
BLAQK ist ein Zusammenschluss der beiden griechischen Künstler Greg Papagrigoriou und Chris Tzaferos alias Simek. Das Duo arbeitet mit einer Kombination grafischer Elemente, darunter Kalligrafie, Buchstaben, Linien, geometrische Formen, Muster, negativer Raum und Texturen. Kalligrafie und geometrische Formen finden sich vor allem in Gregs Arbeiten, während Simek geometrische Formen mit Linien kombiniert. Ihre Werke entstehen im Atelier und im öffentlichen Raum. BLAQK hat in zahlreichen Ausstellungen ausgestellt und an Festivals und Projekten rund um die Welt teilgenommen.
EGS
EGS (geb. 1974 in Helsinki) bezeichnet sich selbst als Graffiti-Anthropologe und spielt eine wichtige Rolle bei der Dokumentation und Verbreitung von Graffiti. Als Künstler wie als Archivar geht er den formalen und folkloristischen Wurzeln von Graffiti nach, um die sozialen und materiellen Grundlagen der Kunstform zu verstehen. Während seine Atelierarbeiten zunehmend abstrakter werden, sind seine nach wie vor illegalen Arbeiten das Ergebnis langer, intensiver Studien der Graffiti-Form. In ihnen stellt er die verschiedenen Entwicklungsstufen dieser Kunstform collageartig nebeneinander. EGS begann Mitte der 1980er-Jahre als Teil der ersten Graffiti-Welle Finnlands. Seitdem bereist er die Welt, um zu malen, zu forschen, sich mit anderen Künstlern zu vernetzen und sein Wissen zu teilen.
Ein Hauptmotiv von EGS sind Weltkarten, meist mit Tinte oder Tusche in seinem klassischen „Inkbolt“-Stil gemalt und stark von der kalligrafischen Essenz des Graffiti geprägt. Er verdreht und verformt die Topografie, bis sie seinen Namen ergibt. Diese Karten sind beispielhaft für seinen unnachahmlichen chirografischen Graffiti-Stil. Gerade die schwarze Tusche, die EGS auch im Atelier verwendet, lässt den Betrachter das Reine wie das Komplexe in seinen Bildern erkennen. Zugleich verweist sein Farbauftrag auf die Außenseiterrolle von Graffiti als Kunstform und auf die Milieus hinter den Kulissen, in denen Graffiti meist entstehen. Seine Karten sind aber nicht nur abstrakte Versionen der Welt: Sie befassen sich auch mit der Kolonialisierung „neuer“ Kontinente durch die Europäer, die die Welt mit Stift und Lineal aufteilten. Die Arbeiten von EGS befinden sich in zahlreichen Privatsammlungen und werden in der Finnischen Nationalgalerie gezeigt.
Jun Inoue
Jun Inoue verbindet in seinen Werken traditionelle japanische Kalligrafie mit dem gestischen Malen des Informel und schafft so Arbeiten, die an die Bilder des deutschen Künstlers K.O. Götz erinnern. Er interpretiert die vom „Sen“ inspirierten Aspekte authentischer japanischer Handarbeit neu und kombiniert sie mit Wildstyle-Graffiti. So verbindet er Tradition und moderne Einflüsse. Jun Inoue malt im Atelier und auf Wänden, seine Werke sind in Galerien rund um den Globus zu sehen.
Patrick Hartl
Der deutsche Künstler Patrick Hartl griff bereits mit 15 Jahren zur Sprühdose und begann, Graffiti zu malen. Seine grafischen Studien zeugen von einer besonderen Liebe zur Kalligrafie und zu stilisierten Schriften, vor allem zur gotischen Schrift. Hartl verbindet ein altes Handwerk mit modernem Streetstyle, mit faszinierenden Ergebnissen. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich seine scheinbar monochromen Arbeiten als das Resultat vieler übereinanderliegender, farbiger Schichten. Sein persönliches Lieblingswerk ist eine zehn Jahre alte Wand, die bemalt, gesäubert, erneut bemalt, zerstört, gewaschen und beschädigt wurde und so immer wieder eine neue, einzigartige Geschichte erzählt.
Als Meister handgemachter Designs und analoger Arbeit, vor allem aber als einer der führenden urbanen Kalligrafen, schafft Patrick Hartl seit zwei Jahrzehnten Kunst. Er gehört zur Künstlergruppe „Calligraffiti Ambassadors“. Neben Ausstellungen in Galerien von New York über Buenos Aires bis Tokio gestaltet er Wandbilder in Europa und weltweit.
TOM71
TOM71 ist ein deutscher Urban-Art-Künstler und zählt zur ersten Generation der Graffiti-Writer in Düsseldorf. Seine Arbeiten sind eine Symbiose aus Typografie, Kalligrafie und Graffiti und gehören zur noch jungen Kunstform der Calligraffiti. In den letzten Jahren konzentriert er sich darauf, die Verbindung von Schrift, Form und Farbe immer wieder neu weiterzuentwickeln.
Zepha
Mit einer Choreografie von virtuoser Leichtigkeit komponiert Vincent Abadie Hafez alias Zepha eine Partitur, in der Buchstaben von ihren semiotischen Fesseln befreit sind. So tritt ihre innewohnende Ästhetik hervor, ihre kulturelle Bedeutung als Symbol. Zeichen unterschiedlicher Herkunft verflechten sich zu einer kontrastreichen Struktur: formale Logik und Verwirrung in den Linien, instinktiver Pragmatismus und Geste. Ausgangspunkt ist die Bewegung und die Abstraktion, die aus ihr entsteht. Seine Kompositionen haben einen dichten Rhythmus, elektrisiert von alltäglichen Orten, und offenbaren mit stillem, manchmal unerwartetem Atemholen ein forderndes, umfassendes Werk. Die Geste ist technisch, Trägerin uralter kalligrafischer Praktiken, und wird durch den urbanen Kontext bereichert: kontrastreich und überraschend.
Die Formensprache arabischer wie lateinischer Buchstaben verweist auf eine gemeinsame Geschichte, eine gemeinsame zeitlose Sprache, eine Abstraktion, die es zu verinnerlichen gilt. Trotz aller Unterschiede tragen unsere Alphabete eine verbindende Bedeutung in sich, die über unsere Herkunft hinausgeht. Zephas Werke spiegeln seine Werte wider: einen zeitgenössischen Humanismus, getragen von der Kraft des Symbols und offenbart durch eine Kunst, die alle Grenzen überschreitet.
ODD MARKS
Eine Ausstellung mit Werken von BLAQK, EGS, Jun Inoue, Patrick Hartl, TOM71 und Zepha (Vincent Abadie Hafez)
Vernissage
Freitag, 27. April 2018, 19 – 22 Uhr
Ausstellung
30. April – 6. Juli 2018 (verlängert)
Montag – Freitag, 11 – 19 Uhr und nach Vereinbarung
Pretty Portal
Brunnenstraße 12
40223 Düsseldorf
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