Roman Klonek - Magic Box

Ausstellung

25. FEB 2022 — 1. APR 2022

Vernissage

25. FEB, 19:00

Roman Klonek - Magic Box

Beschreibung

Wer eine magische Kiste öffnet, weiß nie genau, was zum Vorschein kommt. Knapp drei Jahre nach seiner letzten Einzelausstellung bei Pretty Portal öffnet Roman Klonek seine und zaubert daraus eine wunderbare Zusammenstellung neuer Arbeiten hervor.

Traumartige Welten

Roman Kloneks Bilder entführen uns in rauschhafte, traumartige Welten, in denen er Geschichten von Fabelwesen und anthropomorphen Figuren erzählt. Seine Erzählungen führen uns in wattig-absurde Landschaften und versetzen uns immer wieder in fröhliches Erstaunen. Textelemente in Schriften, die den meisten von uns fremd sind und die Roman augenzwinkernd „Merkwürdigkeitsverstärker“ nennt, runden seine Kompositionen ab.

Die Kunst des Holzschnitts

Doch nicht nur Romans Bildwelten sind etwas ganz Besonderes. Auch der Holzschnitt, mit dem er seine Werke herstellt, sticht heraus und lädt dazu ein, seine Arbeiten mehr als nur einmal zu betrachten.

Der Künstler

Der 1969 im polnischen Kattowitz geborene Künstler studierte Anfang der 1990er-Jahre visuelle Kommunikation an der FH Düsseldorf. Bei Harald Fuchs schloss er sein Studium mit einer Serie von Holzschnitten ab, die den Grundstein für seine weitere Entwicklung legte. Geistig verbunden fühlt er sich Künstlern wie Fjodor Chitruk, Zdeněk Miler, Yoshitomo Nara oder Takashi Murakami. Erfahrungen sammelte er nicht nur im ungewöhnlichen Charakterdesign, sondern auch als Gründer der Non-Profit-Galerie Revolver in Düsseldorf, als Gastprofessor in Mainz und als Dozent für Druckgrafik an der FH Würzburg. Zahlreiche nationale und internationale Einzel- und Gruppenausstellungen halten seine Finger fürs Zeichnen und Schneiden in seinem Düsseldorfer Atelier warm.

Verloren im Druck
Text von Raiko Oldenettel

Wer schreibt, bleibt. Roman Klonek weiß das und macht sich gerne Notizen. Dass diese nicht aus Worten bestehen, mag das Ergebnis seines Arbeitsprozesses sein. Sein Ideenfundus besteht aus Skizzen, kleinen Variationen von Figuren und Formen, Abstraktionen aus Cartoon und Andersweltlichem. Diese Notizen denken nicht rückwärtsgewandt und erinnernd, sondern sind in ständiger Verwandlung auf die Zukunft ausgerichtet. So könnte man sagen: „Wer skizziert, der wird.“ Was genau aber macht der Düsseldorfer Künstler, wenn er täglich zeichnet, Altes neu erfindet und schließlich einen kleinen, ausgewählten Teil auf das Podest des Papiers erhebt?

Eine Narration in Formen

Klonek wurde in den 1960er-Jahren in Polen geboren und verbrachte dort seine frühe Kindheit. Erinnerungen an ratternde Super-8-Cartoons nahm er mit nach Deutschland, wo klassische amerikanische Cartoons, tschechische Animationsfilme sowie japanische Anime und Manga seinen unverkennbaren Stil prägten. Er entschied sich für ein Studium der visuellen Kommunikation und verlangsamte das bewegte Bild in seinem Geist schon früh auf dessen druckgrafische Qualität. Das Film-Still, ein wiederkehrender Begriff im Wortschatz seiner Kenner und Kritiker, schält er aus den Formenwelten seines Notizbuchs heraus. Gerade deshalb mag er sich dem langsamsten Medium, der Druckgrafik, zugewandt haben, um diese Entschleunigung noch zu radikalisieren.

Klonek arbeitet im Holzschnitt, genauer gesagt in der Technik des verlorenen Schnitts. Der Aufwand, bis seine Ensembles farbig, reduziert und lebendig vor dem Betrachter erscheinen, ist kolossal. Anders als bei seinen rastlos sich wandelnden Skizzen muss er die Realisierung nun rückwärts denken, denn im verlorenen Schnitt geht das Material unwiederbringlich verloren. Zunächst überträgt er die Vorzeichnung auf die Platte. Dann trägt er Schicht für Schicht die Partien ab, die in der zuvor gedruckten Farbe stehen bleiben sollen. Nur die verbleibenden, erhabenen Flächen nehmen die nächste Lage öliger Druckfarbe auf und geben Konturen und Felder an das Blatt ab. Da sich dieser Vorgang für jede Farbe wiederholt, muss er nicht nur spiegelverkehrt denken, sondern darf auch keine Form aus den Augen verlieren. Was einmal abgetragen ist, lässt sich nicht zurückholen; Korrekturen sind kaum möglich. Kleine Auflagen sind die Folge, und jedes Blatt ist dank minimaler Abweichungen im Grunde ein Unikat: ein Statement in einer Zeit, in der Offsetdruck und digitale Medien die visuelle Kommunikation dominieren und auf Replizierbarkeit setzen.

Bitte nähertreten!

Nicht nur die Technik, auch die Bildwelten selbst appellieren an das Gefühl des Verlorenseins. Wie in einem angenehmen Rausch begegnet man wilden Tieren, anthropomorphen Mischwesen und unmöglichen Landschaften. Mit Überschriften, Untertiteln und comichaften Sprechblasen verbindet er die Ratlosigkeit mit der Unwirklichkeit des Gesehenen, denn die abgebildeten Sprachen sind für die meisten Europäer nicht lesbar. Japanisch und Russisch haben es ihm durch seine Reisen besonders angetan. „Merkwürdigkeitsverstärker“ nennt er die Schriftzüge aus Kanji und kyrillischen Buchstaben: merkwürdig, weil sie stetige Aufmerksamkeit verlangen, verstärkend, weil sie die Irritation katalysieren. Ihre Zeichenhaftigkeit unterstreicht die innere Energie der Fabelwesen und Superschurken, die das Publikum mit Buntfarbigkeit und scheinbarer Harmlosigkeit anziehen.

Steht man jedoch erst einmal vor einem Blatt wie „Naruto“, das von Weitem wie ein Filmplakat anmutet, und erfasst die eigentliche Handlung der Kreatur, halb Fledermaus, viertel Mensch, viertel Gummistiefel, kann von Sicherheit keine Rede mehr sein. Kloneks narrative Formen-Mutanten haben Zähne. Sie können riesengroß oder winzig sein, erinnern an Naturgewalten aus der Petrischale oder haben, wie eben in „Naruto“, ihre eigenen Waffen mitgebracht. Dass viele von ihnen mit sich selbst oder ihrem eigenen Unglück beschäftigt scheinen, ist kein Grund zur Entwarnung. Es ist eben das Ergebnis eines Skizzenbuchs, dessen verworfene Figuren erst recht neugierig machen.

Roman Klonek – „Magic Box“

Ausstellung
25. Februar – 1. April

Vernissage
25. Februar, 19 Uhr

Pretty Portal
Brunnenstraße 12
40223 Düsseldorf

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