Canonicity

SAM3

Ausstellung

26. APR 2013 — 14. JUN 2013

Vernissage

26. APR, 19:00 — 22:00

SAM3 - Canonicity - Pretty Portal

Beschreibung

Schwarz, mit geschwungenen Hörnern, steht er an Spaniens Landstraßen und Autobahnen: der Osborne-Stier. Kaum ein Motiv ist dort so bekannt, kaum eines so aufgeladen. SAM3 nimmt sich dieses Zeichen vor und verwandelt es, mit Farbe, mit Knochen, mit Feuer.

Vom Werbeschild zum Wahrzeichen

Der Stier entstand 1956 als Werbung für einen Brandy der Bodega Osborne. Hunderte der riesigen Silhouetten wurden in ganz Spanien aufgestellt. Als die Werbung an Straßen verboten wurde, blieben die Stiere stehen, ohne Schriftzug, als reine Form. Inzwischen gelten sie als Teil des kulturellen Erbes und als inoffizielles Wahrzeichen des Landes.

SAM3 hat zwei der echten Osborne-Stiere in der Landschaft bemalt: einen mit dem Skelett des Tieres, einen zweiten als Babystier. In „Canonicity“ zeigen wir, wie er dieses Motiv in die Galerie holt. Dafür hat er die Stiere aus Holz nachgebaut und jeden auf eigene Weise bearbeitet.

Skelett, Kalb und Asche

Wie bei seinem Stier in der Landschaft hat SAM3 auf einen Nachbau in Weiß das Skelett des Tieres gemalt: Schädel, Rippen und Beinknochen liegen auf der schwarzen Silhouette, als würde man das Tier durchleuchten. Einen zweiten hat er mit Himmelblau umgeben und den schwarzen Stier darin zu einem Kalb verkleinert. Den dritten hat er verbrannt. Die verkohlte Holzsilhouette mit ihren hellen Brandspuren hängt neben einer Fotoreihe, die das Verbrennen dokumentiert.

So entstehen drei Lesarten eines Zeichens: der Tod hinter dem Symbol, das Kleine im Großen, die Zerstörung eines Mythos. Das sind Deutungen. SAM3 lässt die Bilder selbst sprechen, ohne sie zu erklären.

Der schwere Kopf

Neben den Stieren zeigen wir Zeichnungen in Tusche auf Papier und eine Keramik. Die Skulptur zeigt einen übergroßen Kopf auf einem zu kleinen Körper. Sie lässt sich auf René Descartes’ Satz „Ich denke, also bin ich“ beziehen: Der Mensch lebt durch seine Gedanken. Zugleich zeigt sie, wie kopflastig wir sind und wie oft wir uns zu viele Gedanken machen. Figuren mit übergroßen Köpfen sind ein wiederkehrendes Motiv in SAM3s Werk.

Über den Künstler

SAM3 wurde 1980 in Elche geboren und lebt derzeit in Murcia. Er begann in den 1990er-Jahren mit Graffiti. Bekannt ist er für seine Silhouetten, die er selbst „Schatten“ nennt: schwarze, anonyme Figuren, oft haushoch, die mit ihrer Umgebung verschmelzen. Seine Wandbilder sind ironisch, poetisch und provokant. Durch die Reduktion auf wenige Farben und den grafischen Stil haben sie eine ungewöhnliche Präsenz und geben ihre Botschaft erst nach und nach preis.

2007 nahm SAM3 an Banksys Projekt Santa’s Ghetto in Bethlehem teil. Seine Wandbilder sind in mehr als zehn Ländern zu sehen, unter anderem beim Fame Festival in Grottaglie und beim Outdoor Festival in Rom. Neben der Malerei arbeitet er mit Skulptur, Keramik und Zeichnung und erzählt in experimentellen Stop-Motion-Kurzfilmen ganze Geschichten. Bei Pretty Portal war er 2010 mit der Einzelausstellung „Nice to meet you“ zu sehen.

„Canonicity“
SAM3
Vernissage: Freitag, 26. April 2015, 19 – 22 Uhr
Laufzeit: 26. April – 14. Juni 2015
Der Künstler ist anwesend.
Pretty Portal, Brunnenstraße 12, 40223 Düsseldorf

Anmerkung (2026): 2017 bemalte SAM3 einen weiteren echten Osborne-Stier, in den Salinen von Santa Pola, mit Motiven aus Picassos „Guernica“. Er verstand die Arbeit als Protest gegen den Stierkampf.

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