Vermibus
Spain/ Germany
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Das Wort Tipping Point oder Kipp-Punkt begegnet uns im Alltag immer häufiger. Verwendet wird es meist im Zusammenhang mit Auswirkungen des menschlichen Lebens auf die Natur und das Klima. Auch in Diskussionen über die Veränderung des gesellschaftlichen Miteinanders oder der Verschiebungen des politischen Klimas hin zu extremen Richtungen taucht dieses Wort immer wieder auf. Kipp-Punkte werden als Schwellenwerte beschrieben nachdem Veränderungen unwiderruflich und extrem werden. Diese finden wir auch in der Kunst. Zustände ab dem ein Werk seine Bedeutung oder Visualität massgeblich verändert.VERMIBUS Vermibus bearbeitet Photographien mit Lösungsmitteln. Dabei modifiziert er deren Ästhetik und damit natürlich auch wie es wahrgenommen wird. Der einmal gestartete chemische Prozess muss wohl dosiert sein und dann im richtigen Moment gestoppt werden um das von VERMIBUS gewünschte Ergebnis zu erzielen. Der spanische Künstler ist seit vielen Jahren als sogenannter Adbuster aktiv. Aus Protest gegen das proklamierte, bis zur Perfektion pervertierte Schönheitsideal der Werbung, das Glück nur als Folge von vermeintlicher Erscheinung erlaubt, entfernt er Werbeplakate, verfremdet die Motive in seinem Studio und hängt sie anschließend wieder an die gleiche Stelle. Heute macht VERMIBUS eigene Photographien, bearbeitet diese im gleichen Prozess und lotet diese Schwellenwerte aus an denen die Bilder ihre Ästhetik und Aussage massgeblich verändern. Guy Denning Auch in unserer Gefühlswelt kennen wir Kipppunkte. Momente in denen eine Stimmung die Situation plötzlich komplett verändert. Obwohl man sich des stärker werdenden Gefühls noch gar nicht so ganz bewusst ist, ist sie häufig schon im Ausdruck des Gesichts und der Körperhaltung les- und sichtbar. Der englische Künstler Guy Denning sucht diese Expressionen und zeigt sie in seinen Arbeiten. Mit seiner für ihn sehr typischen und ausdrucksstarken Maltechnik fängt er die Emotionen seiner Protagonisten ein und arbeitet sie zum Teil mit wenigen markanten Strichen heraus. Guy Dennings Werke kombinieren traditionelle und zeitgenössischen Malweise. Er verwendet Kohle und Kreide, Ölfarben aber auch Sprühlack in seiner Arbeit. Mit vom Punk inspirierten, als Collage eingefügten und schablonierten Text ergänzt er eine zusätzliches Narrativ. Seine Bildsprache und Ästhetik, vermischt mit der politischen Erzählung, die sich durch sein Werk zieht, geben seinen Arbeiten eine ungewöhnliche Kraft. Ausstellung: 15. November 2024 – 17. Januar 2025 Vernissage: Donnerstag 15. November, 19h Pretty Portal Brunnenstrasse 12 40223 Düsseldorf
Als Mixed Reality bezeichnet man Umgebungen oder Systeme, die die natürliche Wahrnehmung eines Menschen mit einer künstlichen verbinden. Das klingt zunächst nach Science-Fiction. Betrachtet man den Begriff jedoch weniger technisch, wird schnell klar, wie sehr wir heute schon mit vermischten Realitäten leben. Die Medien, die ungeheure Informationsflut aus dem Internet und nicht zuletzt die sozialen Netzwerke stellen unsere Vorstellung davon, was wirklich ist, fast täglich auf die Probe.Nichts ist, wie es scheintDie Ausstellung „Mixed Reality“ vereint drei Künstler, die sich mit diesen vermischten Wirklichkeiten auseinandersetzen und dabei Schönheit, Ästhetik und deren Wahrnehmung in unserer Gesellschaft hinterfragen. Fin DAC, den wir bereits seit 2012 im Programm haben, zeigt neue Arbeiten. Mit SKIO und Vermibus freuen wir uns, zwei weitere spannende Positionen erstmals bei uns zu präsentieren.Fin DAC zeigt in seinen Collagen buchstäblich „zerrissene“ Protagonistinnen und setzt verschiedene Versionen des scheinbar Gleichen neu zusammen. Dabei hinterfragt er sexuelle Stereotype und kolonial geprägte Wahrnehmungsmuster. SKIO beobachtet einen Alltag, der durch die wachsende Dominanz sozialer Medien immer virtueller wird. In seinen Gemälden untersucht er die Uniformität, die unsere Gesellschaft dem Einzelnen auferlegt, und den Schönheitsanspruch, der insbesondere Frauen aufgezwungen wird. Auch Vermibus setzt sich mit gesellschaftlich und medial geprägten Schönheitsidealen auseinander. Er vermenschlicht seine zuvor entpersonalisierten Modelle, indem er sie im wahrsten Sinne des Wortes auflöst, und übt so scharfe Kritik an der Werbe- und Modeindustrie.Zu sehen sind Collagen, Gemälde und analog bearbeitete Fotografien.Fin DACIn seiner rasanten Karriere als Urban Artist hat der irische Künstler Fin DAC eine sehr markante Bildsprache perfektioniert, die Elemente zeitgenössischer Kunst und Urban Art vereint. Er selbst nennt sie „Urban Aesthetics“. Seine Einflüsse als Autodidakt und Nonkonformist reichen von düsteren Graphic Novels bis zu den Werken von Francis Bacon und Aubrey Beardsley. Dieser Stil hat ihm in gut einem Jahrzehnt eine außergewöhnlich erfolgreiche Karriere beschert: Seine Originale und Editionen sind heute sehr begehrt, und er hat weltweit eine treue Sammlerschaft.In seinen Werken setzt sich Fin DAC mit weiblicher Emanzipation und Selbstbestimmung auseinander sowie mit der Neuausrichtung des männlichen, kolonial geprägten Blicks auf Frauen anderer Kulturen. Meist malt er eurasische Frauen, die er in traditioneller und zeremonieller Kleidung inszeniert. Sein Interesse ist dabei weder oberflächlich noch gedankenlos. Fin DAC formuliert die geschlechtsspezifischen und kulturellen Stereotype, die diese Frauen umgeben, neu und entwirft eine Erzählung, die ihre Sinnlichkeit mit Sensibilität feiert statt mit Aneignung.In seinen Wandbildern sind die Frauen oft groß und imposant. Sie beanspruchen die Kontrolle über ihre urbane Umgebung und sind zugleich feminin, mit klassisch zarten Zügen: mächtig und verletzlich, ästhetisch und intellektuell, körperlich und emotional. Obwohl seine Wandbilder auf der ganzen Welt zu finden sind, bleibt Fin DAC ein Außenseiter der Street-Art-Szene, der lieber mit persönlichen Projekten seinen eigenen Weg geht.SKIOIn seiner neuen Werkserie „Human in the City“ hinterfragt SKIO die Situation des Menschen in einer modernen Welt und ihrer bedrückenden Anonymität. Man sagt, die Augen seien der Spiegel der Seele. SKIO lässt sie in seinen Bildern bewusst weg und verstärkt so das Gefühl der Anonymität. Gerade der fehlende Blickkontakt öffnet dem Betrachter einen Raum, in dem er sich der Spannung der Bilder nicht entziehen kann.SKIO setzt seine Figuren in surrealistisch inspirierte Architekturen und hinterfragt so unseren Platz im urbanen Umfeld. Dabei spielt er mit der Ästhetik und den Konzepten virtueller Welten. Einige seiner Protagonisten scheinen VR-Brillen zu tragen und verweisen auf die wachsende virtuelle Dimension unseres Lebens.SKIO malte seine ersten Wandbilder 1993 in der Region um Nizza. Nach einer Phase des Experimentierens mit Typografie und Graffiti fand er bald zu figurativeren Bildwelten, die anfangs von Pop- und Fernsehkultur inspiriert waren. Heute verbindet er geometrische und architektonische Formen mit Porträts, die wie Skulpturen anmuten. Inspiriert von Bauhaus und Surrealismus sucht er die Balance zwischen Komplexität und Minimalismus und experimentiert mit Geometrie, Anatomie und Farbe. Seine Werke waren in zahlreichen Ausstellungen und Festivals weltweit zu sehen, unter anderem in Paris, London, Mexiko und Shanghai. In den letzten Jahren hat SKIO eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen, die sein Schaffen in den Fokus vieler Urban-Art-Sammler gerückt hat.VermibusGlattere Haut, kleinere Tränensäcke, größere Augen und vollere Lippen: Das „Photoshoppen“ des menschlichen Körpers zur vermeintlichen Perfektion ist in der Werbung längst der Normalfall. Schönheit geriert sich als Synonym für Erfolg und Glück. Und obwohl die meisten Menschen erkennen, dass diese Prämisse falsch ist, wird sie gesellschaftlich akzeptiert und von der großen Mehrheit befolgt. In den sozialen Medien übernehmen Influencer diese Werbekonzepte und tragen sie zu einem breiten Publikum, das begonnen hat, sich selbst als Marke oder Produkt zu präsentieren.Der in Berlin lebende Künstler und Aktivist Vermibus hat einen einzigartigen künstlerischen Prozess entwickelt, mit dem er zeitgenössische Schönheitsideale hinterfragt. Im Fokus steht die Entwicklung weg von individueller Identität hin zum Konformismus. Große Aufmerksamkeit erregte er, als er begann, Werbeplakate aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, sie in seinem Atelier zu bearbeiten und anschließend wieder im Stadtraum anzubringen. Der öffentliche Raum ist für die Botschaft seines Werks von zentraler Bedeutung.Vermibus wurde 1987 in Palma de Mallorca geboren, wo er früh Anschluss an die lokale Graffitiszene fand. 2003 zog er nach Madrid, entdeckte neue Maltechniken und begann, Werbung mit Schablonen zu dekonstruieren. Kurz darauf arbeitete er als Illustrator und später als Fotograf für verschiedene Werbeagenturen. Ende 2010 zog er nach Berlin und war sofort von der lebendigen Street-Art-Szene begeistert. Bald darauf startete er das Projekt „Unveiling Beauty“, das 2015 vom Fotografen Mark Rigney und dem Filmemacher Xar Lee dokumentiert wurde und seinen Stil auf eine neue konzeptionelle Ebene hob. Das Projekt führte zu einer Reihe öffentlicher Interventionen während der Fashion Weeks in New York, London, Mailand und Paris. Mit diesen Interventionen in den „Big Four“ wollte Vermibus die Schönheitskulte dort ansprechen, wo sie entstehen. Seitdem wurden seine Werke in zahlreichen Ausstellungen und Publikationen gezeigt. Seine unverwechselbare Bildsprache und seine radikale konzeptionelle Arbeitsweise haben ihm weltweit große Anerkennung und eine stetig wachsende Sammlerschaft eingebracht.Fin DAC, SKIO, Vermibus – „Mixed Reality“Ausstellung 8. April – 13. MaiVernissage 8. April, 19 UhrPretty Portal Brunnenstraße 12 40223 Düsseldorf