Engel, die aus dem Jenseits ins Diesseits schreiten, Tänzer, die sich von Wellen und Frequenzen getragen selbst inszenieren, Individuen, die ihre Grenzen ausloten: In „Passing Through“ begegnen wir Gestalten auf der Durchreise. Sie wandeln auf besondere Weise durch Raum und Zeit, befinden sich auf dem Weg der Selbstfindung und setzen sich im stetigen Wandel mit der Vergänglichkeit auseinander.
Zwei Positionen im Dialog
Guy Denning und Alexis „Bust“ Stephens stellen beide den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Bilder. Guy Denning, einer der frühen Vertreter der Urban Art, trifft in diesem Künstlerdialog auf Alexis „Bust“ Stephens, der unter dem Pseudonym „Bust the Drip“ vor allem in Paris in den Fokus von Kennern und Sammlern gerückt ist. Beide zeichnen sich durch einen sehr lebendigen Strich aus. Mit ihren ganz unterschiedlichen Maltechniken gelingt es ihnen, Diffusion und Auflösung mit detailgenauer Darstellung in einem Bild auf unverwechselbare Weise zu vereinen.
Kohle und Kreide, Pinsel und Sprühfarbe
Guy Denning arbeitet vorrangig mit Kohle und Kreide. Er ist ein Meister darin, Ausdruck und Emotionen seiner Protagonisten mit nur wenigen Strichen präzise und nachfühlbar darzustellen. Alexis „Bust“ Stephens malt mit Pinsel und Sprühfarbe und fängt in seinen Bildern die Bewegung seiner Modelle ein. Seine Linien zeigen ganze Bewegungsabläufe und scheinen mit den Figuren auf der Leinwand zu tanzen. Gezeigt werden Arbeiten auf Papier und Leinwand.
„Passing Through“
Guy Denning | Alexis „Bust“ Stephens
Ausstellung
22. Oktober – 26. November 2021
Dienstag – Freitag, 14 – 19 Uhr
Pretty Portal
Brunnenstraße 12
40223 Düsseldorf
Alexis „Bust“ Stephens
Alexis „Bust“ Stephens wurde 1983 in Paris als Sohn einer französischen Mutter und eines jamaikanischen Vaters geboren. Schon früh entdeckte er sein Talent für Tanz und Malerei und begann seine künstlerische Reise in der urbanen Kultur. Mit seinen Hip-Hop- und Breakdance-Performances erregte er schnell Aufmerksamkeit und wurde mit verschiedenen Formationen zu Wettbewerben und Jams in ganz Europa eingeladen. Am liebsten aber hinterließ er seine Spuren im öffentlichen Raum, der ihm völlige Freiheit des Ausdrucks gewährte.
Beim Experimentieren mit verschiedenen Maltechniken knüpfte er bald Kontakte zur großen Pariser Street-Art- und Graffitiszene. Von Anfang an stand für ihn fest, dass er Tanz und Malerei in seinem Stil, seinen Motiven und seinen Performances verbinden wollte. Aus dieser Zeit stammt sein Alias „Bust the Drip“, eine Kombination aus dem Tanz-Slang „to bust a move“ und den „Drips“, den Farbverläufen, die bei seiner Malweise häufig entstehen.
Später trat er dem Künstlerkollektiv Bang Crew bei, dessen Mitglieder aus Tanz, Malerei, Video, Fotografie und Musik kommen. Die Synergien im Kollektiv ermöglichten ihm umfangreiche Projekte in Frankreich und im Ausland. In dieser Zeit erkannte er, dass er sich stärker auf die Malerei konzentrieren und den Tanz als Motiv und in seinen Performances beibehalten wollte.
Im Zentrum seiner künstlerischen Idee steht seine Liebe zu körperlichem Ausdruck, Bewegung und Gestik. Er stellt sich den Körper gerne als Resultat organisierter Wellen vor: „Wir bestehen nicht aus viel, und doch pulsiert alles in uns.“ Inspiriert von Abstraktem Expressionismus und Graffiti überträgt er die Bewegung und Energie, die er wahrnimmt, in seine Arbeiten. Alexis lebt und atmet die Idee des grand geste und des Abstrakten Expressionismus. In seinem künstlerischen Prozess verbindet er Maltechnik und Instinkt. Seine lebendige Linienführung spiegelt Wellen und Frequenzen wider, mit denen er einen Kreislauf aus Rhythmus und Farbe erzeugt. Seine Pinselstriche, die aus Gestik und Ausdruck entstehen, wirken zunächst abstrakt und irritierend. Je weiter sich ein Werk entwickelt, desto deutlicher formen sie seine tanzenden Protagonisten.
Guy Denning
Guy Denning wurde 1965 in North Somerset geboren. Schon als Kind war er von bildender Kunst besessen. Mit elf Jahren begann er, in Öl zu malen, nachdem ihm ein Verwandter, der das Interesse daran verloren hatte, einen Satz alter Farben überlassen hatte. In den 1980er-Jahren bewarb er sich mehrfach erfolglos um ein Studium der Malerei. Er malte dennoch weiter, studierte Kunstgeschichte an der Open University und lernte Maltechnik bei älteren Malern, die er im Westen Englands kannte. Ab 1992 stellte er in ganz Großbritannien aus, seit 2007 auch in den USA, in Deutschland, Italien und Frankreich. Seine Gemälde waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Seine Arbeiten befinden sich in mehreren öffentlichen Sammlungen, darunter die politikwissenschaftlichen Institute der University of Bristol und der University of Galway sowie das Museum für zeitgenössische Kunst MAGI'900 in Bologna.
Guy Dennings Werk verbindet einen traditionellen, malerischen Stil mit einem zeitgenössischen, vom Punk inspirierten Element: eingebetteten, collagierten und schablonierten Texten. Diese Ästhetik, verbunden mit einer politischen Erzählung, hat ihm eine treue Anhängerschaft unter Sammlern von Urban Art eingebracht.
„Urban Art ist kein neues Phänomen. Menschen haben auf der Straße ihre Präsenz, ihren Humor, ihre Ängste und ihre Wut kundgetan, seit es Straßen gibt, auf denen man es sehen kann. Sie ist die demokratischste Kunstform, ein Medium, das jedem offensteht, der das Bedürfnis hat, es zu nutzen. Mit der Akzeptanz und Würdigung der Graffitikultur im 20. Jahrhundert ist sie an einem Punkt angekommen, an dem sie nun abseits der Straße zu finden ist, in angesagten Galerien. Ja, Moden ändern sich, aber glaubt nicht, dass Graffiti je verschwinden werden. Diese Schrift stand schon immer an der Wand.“
– Guy Denning