Bevor ein Stencil an der Wand erscheint, ist der größte Teil der Arbeit schon getan. Das Bild im Kopf muss in Flächen und Ebenen zerlegt werden, jede Farbe braucht ihre eigene Schablone, und jeder Schnitt entscheidet darüber, wie das Werk später aussieht. Gerade bei mehrfarbigen Stencils ist diese Vorbereitung komplex. Sie prägt den Stil ebenso wie das, was nach dem Sprühen geschieht, denn viele Arbeiten werden von Hand weitergemalt und überarbeitet. Auf der Straße zeigt die Schablone dann ihre eigentliche Stärke: Ein Motiv lässt sich schnell auftragen, immer wieder und an vielen Orten, jedes Mal sehr ähnlich.
Kaum eine Technik hat das Bild von Street Art und Contemporary Urban Art so geprägt. Schablonenbilder sind aus dem öffentlichen Raum kaum noch wegzudenken und beeinflussen Design, Mode und Werbung.
Zwischen Fotografie und Grafik
Wie schon im letzten Jahr zeigen wir in „STENCILS ONLY 2011“ Künstler aus der europäischen Urban-Art-Szene, die mit Schablonen arbeiten. Die Arbeiten der sieben Positionen zeigen, wie viel Raum diese Technik zum Experimentieren bietet. Manche wirken fotografisch, andere grafisch. Sie greifen Ikonen des Alltags und der Popkultur auf oder zitieren und deuten die Botschaften anderer Urban Artists.
BTOY (Barcelona)
Hinter BTOY steht die Künstlerin Andrea Michaelsson, die von der Fotografie kommt. Ihre Schablonen entstehen nach fotografischen Vorlagen, im Mittelpunkt stehen Frauenfiguren aus vergangenen Jahrzehnten, angeregt von alten Plakaten und von Andy Warhol. 2008 war sie beim Cans Festival in London vertreten.
C215 (Paris)
Hinter C215 steht der französische Künstler Christian Guémy, einer der bekanntesten Stencil-Künstler Europas. Er porträtiert vor allem Menschen am Rand der Gesellschaft, Kinder und immer wieder seine Tochter Nina. Seine Schablonen setzt er oft auf Briefkästen, Stromkästen und Türen, auf das Mobiliar der Stadt.
Czarnobyl (Berlin)
Der in Polen geborene Damian Terlecki lebt seit 1993 in Berlin, wo die Punk- und Hausbesetzerszene der 1990er-Jahre seine Arbeit prägte. Seine vielschichtigen Schablonenbilder verbinden präzise Porträts mit Maschinenzeichnungen und gefundenen Schablonen. Sie wirken wie Visionen einer dystopischen Zukunft, beeinflusst von Filmen wie Andrei Tarkowskis „Stalker“ und dem Cyberpunk von William Gibson.
ESOB (Düsseldorf)
ESOB kommt aus der Düsseldorfer Graffitiszene und arbeitet als Grafikdesigner.
FAKE (Amsterdam)
Der Amsterdamer Künstler FAKE arbeitet mit Ikonen der Popkultur und des Alltags. Er setzt sie mit Humor und einem kritischen Blick auf die Gesellschaft neu zusammen.
L.E.T. (Düsseldorf)
L.E.T. steht für „Les Enfants Terribles“. Seit 1992 prägt der Künstler mit Stencils und Paste-ups das Straßenbild seiner Heimatstadt Düsseldorf. Mit Augenzwinkern nimmt er die Themen der Zeit und die Missstände der Konsum- und Spaßgesellschaft ins Visier.
PISA73 (Berlin)
PISA73 ist Künstler und Designer und seit den 1990er-Jahren als Graffiti-Künstler aktiv. Er studierte Visuelle Kommunikation an der Hochschule Pforzheim. Bekannt ist er für vielschichtige Stencils, für die er eigene Fotos als Vorlage verwendet.
„STENCILS ONLY 2011“
BTOY, C215, Czarnobyl, ESOB, FAKE, L.E.T., PISA73
Vernissage: Freitag, 14. Oktober 2011, 19 – 23 Uhr
Laufzeit: 14. Oktober – 11. November 2011
Pretty Portal, Brunnenstraße 12, 40223 Düsseldorf