Andreas von Chrzanowski, besser bekannt als CASE, wurde 1979 in Schmalkalden geboren und lebt heute in Frankfurt am Main. Seine künstlerischen Wurzeln liegen in der ostdeutschen Graffiti-Szene, in der er seit 1995 mit der Sprühdose arbeitet. Im Jahr 2000 gründete er gemeinsam mit drei weiteren Sprühern die Gruppe MA'CLAIM – eine der Pioniergruppen des fotorealistischen Graffiti, die bis heute international als stilprägend gilt. Seine Ausbildung als Maler sowie ein Studium der Restaurierung haben seine technische Präzision geschärft und fließen sichtbar in seine Bildsprache ein.CASEs Markenzeichen ist die fotorealistische, oft monumentale Darstellung von Händen und Körperteilen – ein Motiv, das ihm weltweite Anerkennung eingebracht hat. Hände gelten in der Kunstgeschichte als eines der ausdrucksstärksten, zugleich technisch anspruchsvollsten Motive überhaupt, und CASE gelingt es, ihre Emotionalität und Dynamik mit außergewöhnlicher Präzision einzufangen. Dabei geht es ihm nie um die bloße anatomische Wiedergabe: Er entfernt Körperteile aus ihrem gewohnten Kontext, verfremdet und übersteigert sie, konfrontiert klassische Vorstellungen von Schönheit mit kontroversen, fast grotesken Bildmomenten – und erzeugt so eine ganz eigene, verstörend-faszinierende Präsenz.Zentral in seinem Werk ist die Idee überlagernder Hände als Bild von Bewegung, Verbindung und – wie am Reisholzer Hafen – innerem Widerspruch. Diese Bewegung meint bei CASE nie nur die physische Geste, sondern immer auch das Politische und Gesellschaftliche: Gesten sprechen eine Sprache, die keine Übersetzung braucht, oft sagt eine Handbewegung mehr als tausend Worte. In Düsseldorf setzt er diese Überlagerungstechnik konsequent in eine einzige, in sich gespaltene Aussage um: Jede der beiden Hände malt er zweifach – einmal zur Faust geballt, einmal zum Peace-Zeichen aus Zeige- und Mittelfinger geöffnet – und legt beide Posen halbtransparent übereinander, sodass Faust und Friedenszeichen gleichzeitig sichtbar bleiben, ineinander verwoben, keine der beiden Gesten je ganz verschwindet oder sich durchsetzt. Aggression und Frieden, Widerstand und Versöhnung existieren so nicht nacheinander, sondern im selben Moment, in derselben Hand – ein Bild dafür, wie nah diese Haltungen beieinanderliegen und wie sehr jede Geste, jede politische Position immer auch ihr Gegenteil in sich trägt. Nur an den Fingerspitzen bricht die strenge fotorealistische Anatomie auf: In grellem Grün und Rot, wie eine zweite, digitale Bildebene über der klassischen Malerei, wird die Spannung dieses Moments zusätzlich sichtbar gemacht.Das Wandbild entstand 2013 in Düsseldorf im Rahmen des ersten 40Grad Urban Art Festivals.
Théo Lopez
Théo Lopez „Gusty journey“ | November 3rd, 2023
Chaos und Ordnung im Widerstreit – Graffuturismus im großen Format
- Ort
- Werdender Strasse 94 | Düsseldorf
Entstanden
Beschreibung
In Théo Lopez' Bildern gleiten Linien über die Fläche. Sie folgen imaginären Freiformen, schwingen im harmonischen Rhythmus, nehmen gerade Wege, um plötzlich die Richtung zu ändern. Dabei definieren sie Formen, die an Wild-Style-Graffiti erinnern und zugleich von Dadaismus und Surrealismus inspiriert sind. Als weitere Einflüsse nennt Lopez die russischen Konstruktivisten sowie den abstrakten amerikanischen Expressionismus. All diese Strömungen verbindet er in Werken, die der zeitgenössischen Kunstrichtung des Graffuturismus zuzuordnen sind – neben der ausdrucksstarken Formensprache fallen sein gekonnter Umgang mit Licht und Schatten sowie der Einsatz kräftiger Farben auf, die seinen Arbeiten eine bemerkenswerte Lebendigkeit verleihen.
Théo Lopez, geboren 1989 in den Pariser Vorstädten, lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Barcelona. Er zählt zu den besonderen Talenten der französischen Urban-Contemporary-Szene. Bereits 2008 wurde er von der Kunstsammlung 9ème Concept eingeladen und realisierte für sie mehrere große internationale Projekte. Seither hat er kontinuierlich an seinem Ausdruck gearbeitet und sich dabei zunehmend vom Gegenständlichen zum Abstrakten, vom Effekt zum Wesentlichen bewegt. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen und Publikationen gezeigt; einige sind Teil der Sammlung von Nicolas Laugero Lasserre und im Art42 Urban Art Museum in Paris zu sehen.
Zentral für Lopez' Bildsprache ist das Spiel mit Gegensätzen, die sich nicht auflösen, sondern in produktiver Spannung nebeneinanderstehen. Flächigkeit trifft auf Tiefe: Scharf konturierte, wie ausgeschnitten wirkende Formen scheinen im Raum zu schweben, während eingewobene Architekturfragmente eine zweite, illusionistische Bildebene öffnen. Exakte Konstruktion trifft auf gestische Malerei: Geometrisch präzise, wie mit dem Lineal gezogene Kanten stehen neben sprühnebelartigen, weichen Verläufen, die die Kontrolle scheinbar aufgeben. Aus diesem Zusammenspiel entsteht das eigentliche Thema der Arbeit – Chaos und Ordnung, Struktur und Zufall als zwei Kräfte, die einander nicht ausschließen, sondern bedingen. Die Komposition wirkt explosiv und zugleich komponiert, als würde eine Bewegung im Moment ihres größten Ausschlags eingefroren.
Das Wandbild an der Werdener Straße 94 in Düsseldorf entstand 2023 und setzt Lopez' abstrakte, dynamische Formensprache in monumentalem Maßstab um – ein Werk, das sich mit jedem Blickwinkel neu zusammenzusetzen scheint, ohne je vollständig aufzugehen.
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Weitere Projekte
EPODs Arbeit ist eine Verschmelzung aus Graffiti, Konzeptkunst und Fine Art – drei Einflüsse, die in seinen Werken so eigenständig zusammenfinden, dass sein Stil auf den ersten Blick erkennbar ist. Geboren 1977 und aufgewachsen in einer Hochhaussiedlung am Stadtrand von London, begann er seinen künstlerischen Weg als Graffiti-Writer unter dem Namen „DOPE". Daraus entwickelte sich das Alias .EPOD – ein Wandel hin zu einer nuancierteren, stilisierteren Bildsprache, technisch geschult durch seine Ausbildung im technischen Zeichnen und in der Modedesign, was sich bis heute in präzisen, strukturellen Linien zeigt, die auf lockere Spraytexturen treffen. Künstlerisch verbindet .EPOD unsere Vorstellung von Zukunft mit Vintage, Mode mit Technologie, Realität mit Verfremdung. Seine Bildsprache speist sich aus der visuellen Kultur seiner Jugend – HipHop, Retro-Sci-Fi-Filme und die glatten Hochglanzseiten der Vogue der 1970er-Jahre – und trifft auf die dramatische Lichtführung der alten Meister: Caravaggios Chiaroscuro, Rembrandts psychologische Tiefe. Aus dieser Verbindung entstehen ätherische Figuren, industrielle Texturen und eine kinoreife Farbpalette, die alte Meisterschaft mit futuristischem Design verschmilzt.Das Wandbild in Düsseldorf zeigt genau diese Handschrift: eine Figur im Profil, deren Haut in kühlem Blauviolett vor glühendem Orange und Gelb changiert – klassische Porträtmalerei, gebrochen durch die scharfen, dreieckigen Formen über dem Kopf, die wie ein Segel oder eine futuristische Klinge wirken. Der aufgerissene, wie Papier abgerissene Rand des Bildfelds lässt das Porträt aus einer imaginären zweiten Ebene heraustreten – ein Verweis auf .EPODs Interesse an Verfremdung und Bruch zwischen Realitätsebenen.Das Werk entstand 2024 in Düsseldorf im Rahmen des Projekts „Kultur meets Euro".
FinDACs künstlerisches Schaffen hat sich über mehr als ein Jahrzehnt hinweg im Dialog mit öffentlichen Räumen und Galerien weiterentwickelt. An der Schnittstelle von urbaner Kunst, Porträtmalerei und Grafikdesign hat er eine unverwechselbare Bildsprache geschaffen, die zeitgenössische urbane Ästhetik mit kunsthistorischen Bezügen verbindet – ein kontinuierlicher Reifungsprozess, der bis heute andauert. Seine Werke, die international in Galerien, Museen und auf bedeutenden Kunstfestivals ausgestellt werden, sind bekannt für ihre meisterhafte Verschmelzung östlicher und westlicher Bildtraditionen. Im Mittelpunkt stehen starke, selbstbewusste, moderne Frauenfiguren – malerische Porträts von großer Präsenz, die grafische Präzision mit vielschichtiger kultureller Symbolik verweben. Diese Kombination aus malerischer Sensibilität und grafischer Klarheit macht seine Bildsprache sowohl unverwechselbar als auch universell zugänglich. FinDACs Frauenfiguren verkörpern Souveränität und Selbstbestimmung in einer sich ständig wandelnden Bildkultur – eine Stärke, die sich auf das kulturelle Erbe stützt und gleichzeitig in der Gegenwart entschlossen und unverkennbar modern bleibt. Seine Wandgemälde sind mittlerweile auf der ganzen Welt zu finden.Ein Markenzeichen von FinDACs Werk ist die maskenartige Bemalung um die Augen seiner weiblichen Protagonistinnen – ein wiederkehrendes Motiv, das auch in Düsseldorf auftaucht. Es verweist sowohl auf die Figur Pris aus „Blade Runner“ als auch auf das ikonische Make-up der Popsängerin Annie Lennox aus den 1980er Jahren. Ein kleiner Punkt auf der Stirn – das dritte Auge – steht für den Künstler selbst und seine spirituelle Reise. FinDAC hält die genaue Bedeutung der Masken und der herabtropfenden Farbe bewusst geheim – ein Hauch von Geheimnis, der jedes seiner Porträts umgibt. Das in grauer Grisaille gemalte Wandbild, das nur durch das leuchtende Grün der Maske unterbrochen wird, zeigt eine Frau in einer ruhigen, konzentrierten Pose – die Hand am Kinn, den Blick direkt und selbstbewusst auf die Betrachter gerichtet. Das Modell für „Rasimin“ lebt in Düsseldorf, was dem großformatigen Porträt eine direkte Verbindung zur Stadt und ihren Einwohnern verleiht.Das Werk entstand 2023 in der Neusser Straße in Düsseldorf.