STRUCTURE & FLOW

SEBASTIEN PRESCHOUX
THEO LOPEZ

Ausstellung

27. NOV 2026 — 3. FEB 2027

Vernissage

27. NOV, 19:00 — 22:00

STRUCTURE & FLOW

Beschreibung

Ein Kreis, mit dem Zirkel gezogen, gilt als Inbegriff der Ordnung. Eine Linie, aus dem Handgelenk geschwungen, gilt als Ausdruck reiner Bewegung. Doch was geschieht, wenn sich beides nicht mehr sauber trennen lässt? Wenn aus strenger Konstruktion ein Fließen entsteht und aus freier Geste eine feste Form?

In „Structure & Flow“ zeigen wir zwei französische Künstler, deren Werke genau diese Frage stellen: Sébastien Preschoux und Théo Lopez. Beide arbeiten abstrakt, beide denken in Linien, Rhythmus und Farbe. Struktur und Fluss prägen die Werke beider Künstler. Sie nähern sich diesem Spannungsfeld jedoch von entgegengesetzten Seiten.

Sébastien Preschoux: von der Struktur zum Fluss

Preschoux beginnt bei der Konstruktion. Lineal und Zirkel geben den Rhythmus vor, jede Linie folgt einem festen System. Seine Kompositionen wirken so exakt, als wären sie am Computer entstanden. Tatsächlich entsteht jedes Werk von Hand.

Gerade aus dieser Strenge entsteht Bewegung. Linien überlagern sich und beginnen zu oszillieren, ganz in der Tradition der Optischen Kunst. Farben gehen fast unmerklich ineinander über, weil Preschoux jeder Farbe einen kleinen Anteil der folgenden beimischt. Den Holzgrund bereitet er selbst vor: Er schleift ihn mehrfach und trägt Schicht um Schicht chinesische Tusche auf, darauf zieht er die Linien mit Acrylstiften. Auf diesem tiefen Schwarz scheinen die Formen zu schweben. Die Struktur ist der Ausgangspunkt, der Fluss ist das Ergebnis.

Handarbeit als Haltung

„Eine falsche Linie, und alles beginnt von vorne“, sagt Preschoux. Seine Arbeit verlangt Ruhe und Konzentration. Wer ihm zusieht, erlebt eine Spannung zwischen der Gelassenheit, mit der er die Linien ohne Eile setzt, und der Präzision jeder einzelnen Bewegung. Auch hier fließt etwas: Die Hand folgt einem gleichmäßigen Takt.

Dahinter steht eine Haltung. Wie das Bauhaus betont Preschoux den Wert manueller Arbeit. Unter dem Motto „Mensch gegen Maschine“ setzt er den Körper als Werkzeug gegen die Vorherrschaft der Technik. Die Spuren der Hand zeigen sich erst bei genauer Betrachtung. Preschoux nennt das den „Lohn der Neugierigen“.

Théo Lopez: vom Fluss zur Struktur

Bei Théo Lopez verläuft der Weg umgekehrt. Er malt mit dem ganzen Körper, die Bewegung kommt aus dem Arm, wie in der gestischen Abstraktion. Auf Leinwand arbeitet er mit Acryl und Sprühlack, auf Papier mit Ölpastell. Seine Linien gleiten in weiten Bögen über den Bildgrund, nehmen unvermittelt einen geraden Weg und ändern die Richtung. Impulse findet er in der Natur, etwa auf einer Reise in die Taiga.

Aus dieser Bewegung baut Lopez Ordnung auf. Organische Formen treffen auf flächige Partien und Rasterstrukturen, die an den Kubismus erinnern. Vorder- und Hintergrund greifen ineinander. Seine Vorbilder stehen für beide Pole: die Dynamik der italienischen Futuristen ebenso wie die Geometrie der russischen Konstruktivisten.

Spuren des Wild Style

In manchen Arbeiten scheinen Buchstaben durch, in Fragmente zerlegt und verschränkt wie im Wild Style. Hier liegen Lopez’ Wurzeln, auch wenn er sie selbst kaum noch betont, und der Sprühlack auf seinen Leinwänden verweist ebenfalls darauf. Im Wild Style gibt der Buchstabe die Struktur vor, Schwung und Verformung bringen ihn in Bewegung. Bei Lopez hat sich dieses Verhältnis umgekehrt: Die Bewegung steht am Anfang, die Zeichen klingen nur noch nach.

Zwei Richtungen, ein Spannungsfeld

Was beide Künstler verbindet, ist der Rhythmus. Bei Preschoux ist es der gleichmäßige Takt von Lineal und Zirkel, aus dem die Linien zu vibrieren beginnen. Lopez bezieht sich auf Kandinsky und den Blauen Reiter, auf die Verwandtschaft von Farbe und Musik: Seine Formen sollen schwingen wie Töne.

Nebeneinander gezeigt, kommentieren sich die Werke gegenseitig. Bei Preschoux entdecken Sie den Fluss in der Präzision, bei Lopez die Ordnung in der Geste. Wir laden Sie ein, diesen Perspektivwechsel vor den Originalen selbst nachzuvollziehen.

Über die Künstler

Sébastien Preschoux lebt und arbeitet als Autodidakt in Paris. Neben Malereien auf Holz entwickelt er raumgreifende Installationen aus gespannten Fäden. Für „Slinky“ (2019) verband er im Auftrag von Quai 36 in den Jardins de l’Arche in La Défense eine Wandmalerei mit einer dreidimensionalen Fadeninstallation. 2022 war er an der Gruppenausstellung „Adventices“ in La Manufacture in Aix-en-Provence beteiligt. Bei Pretty Portal war er bereits 2020 in „Curves and Corners“ mit Marc C. Woehr zu sehen.

Théo Lopez wurde 1989 in den Pariser Vorstädten geboren und lebt heute in Barcelona. 2008 schloss er sich dem Kollektiv 9ème Concept an, mit dem er große internationale Projekte realisierte. Seitdem hat er sich konsequent von der Figuration zur Abstraktion entwickelt. Seine Arbeiten werden dem Graffuturismus zugeordnet. Werke von ihm befinden sich unter anderem in der Sammlung von Nicolas Laugero Lasserre (Art 42, Paris). Bei Pretty Portal zeigten wir ihn in „URBSTRACTIONS“ (2017), „URBSTRACTIONS III“ (2019) und „Cutting Edge“ (2023).

Newsletter

Exklusiver Vorabzugang zu limitierten Editionen und private Einblicke in die Galerie. 1–2 E-Mails im Monat.